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Akzeptanz
Rolle der Lehrer in der Mensa

Viele Unternehmen machen es vor: Pausenzonen und Kaffeeecken werden eingerichtet und das Betriebsrestaurant attraktiv gestaltet. Denn die Erfahrung zeigt, dass das zwanglose Miteinander ihrer Mitarbeiter der Arbeitsatmosphäre gut tut. Der in der Pause stattfindende informelle Austausch – überwiegend zu dienstlichen Themen – fördert das gegenseitige Verständnis. Unterschiedliche Betrachtungsweisen kommen zu Tage, das Arbeitsumfeld der Kollegen kann besser eingeschätzt werden. Manche Schwierigkeit taucht so gar nicht erst auf oder lässt sich frühzeitig und einfach lösen.

Der angenehme Austausch beim Essen ist auch in der Schule ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt: 80% der Schülerinnen und Schüler ist es an ihrer Schulmensa wichtig, dass sie sich dort ungestört unterhalten können [1]. Auch wenn hier zuerst an das Gespräch mit Mitschülerinnen und Mitschülern gedacht wird, zeigt die Praxis, dass auch das gemeinsame Essen von Schülern und Lehrern dem Schulklima gut tut. Lehrkräfte können die Akzeptanz der Mittagsverpflegung etwa durch die Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen (Vorbildfunktion) und eine entsprechende Ernährungsbildung im Unterricht erhöhen. Sind Lehrkräfte in den Nachmittag eingebunden, können Projektarbeiten rund um das Thema Essen und Trinken unterrichtliche Inhalte ergänzen.

Gemeinsames Essen bietet über die begleitenden Gespräche die Chance, hierarchisch geprägte Schüler-Lehrer-Beziehungen mehr und mehr in ein Miteinander umzuwandeln. Es schafft Gelegenheit, vergleichsweise einfach feste Beziehungen in Bewegung zu bringen und den Gesprächspartner von Seiten zu erleben, die im üblichen Schulalltag untergehen. So verbessern gemeinsame Mahlzeiten die Schüler-Lehrer-Beziehung genauso wie sie die Identifikation der Schüler mit der Schule fördern [2].

Doch Lehrerinnen und Lehrer dürfen nicht nur auf ihre Rolle als Pädagogen reduziert werden. Sie sind Leistungsträger im System Schule. Auch sie profitieren in ihrer Person von einem gesundheitsförderlichen Essen in attraktiver Atmosphäre, wissen die Zeitersparnis und den Komfort zu schätzen, den eine schmackhafte, bereits zubereitete Mahlzeit bietet.
In einer sich ständig fortentwickelnden Schullandschaft entsteht oft der Eindruck, immer neue Aufgaben bewältigen zu müssen. Ein auch auf die Lehrerwünsche und –bedürfnisse ausgerichtetes Speisenangebot setzt dagegen ein Zeichen der Wertschätzung, das auch die Identifikation der Lehrerschaft mit ihrer Schule erhöht. Dies geschieht umso mehr, wenn durch Einbindung von Vertretern des Kollegiums die Möglichkeit besteht, die eigenen Interessen aktiv zu vertreten und die „eigene“ Schulverpflegung mitgestalten zu können.

In der Schulmensa beim Essen nehmen Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Doppelrolle teil: Hier sind sie nicht nur Gast, sondern gleichzeitig Leit- und Vorbild, von dem Schüler positiv bewertetes Verhalten übernehmen. Die Teilnahme der Lehrerschaft an der Mittagsverpflegung wertet diese damit automatisch auf.

Lehrerinnen und Lehrer in der Schulmensa: Gast oder Pädagoge? – Die Antwort lautet also: Gast und Pädagoge!

Stand: September 2016

Literatur

[1] Kaiblinger, K., Zehetgruber, R.: Esskultur an Schulen - nachhaltig und gendergerecht gestalten. Hrsg: Umweltdachverband GmbH, 2009
[2] Methfessel, B.: Schlecht ernährte Kinder lernen schwer, http://www.frankfood.net/images/ProfMethfessel.pdf, Zugriff 23.12.2008