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Kita-Tischlein, deck dich! – Mittagsmahlzeit in der Kindertageseinrichtung

Kleinkind beim Mittagessen

Gutes Essen in der Kita trägt nicht nur dazu bei, dass Kinder fit durch den Kitatag gehen, es prägt die Esskultur, die Wertschätzung für Lebensmittel und das Ernährungsverhalten. Ein Mittagessen in der Kita, das allen schmeckt, ist eine große Herausforderung. Kitaleitungen, Eltern, das pädagogische Personal, Speisenanbieter und Träger haben dabei das gleiche Ziel: Sie alle wollen ein qualitativ hochwertiges Essen, das gesund ist, gut schmeckt und gleichzeitig wirtschaftlich ist.

Dazu hat das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) Leitlinien für die Kitaverpflegung erarbeitet. Ein unabhängiges Fachgremium, bestehend aus Vertretern der einschlägigen Verbände, der Praxis, der Wissenschaft und des Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration hat die Arbeit beratend unterstützt.

Die Leitlinien stellen eine maßgebende Orientierungshilfe für eine schmackhafte, gesunde und akzeptierte Verpflegung in Bayerns Kitas dar. Gute Kitaverpflegung soll als Teil eines gelingenden Kitalebens selbstverständlich werden und hierfür auch im Kitaleitbild verankert werden.

Unsere Philosophie

Vier Leitgedanken beschreiben zunächst, was eine gute Kitaverpflegung ausmacht.
Arbeitsplatz in der Küche

Foto: Kalle Singer

Gesundheit
Essen und Trinken sind eine wichtige Grundlage für die kindliche Entwicklung. Besonders in den ersten Lebensjahren passiert hier viel. Dabei sind ausgewogene und gesunde Mahlzeiten von großer Bedeutung, die auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Altersstufen berücksichtigen. Ziel soll es sein, dass jedes Kind seiner Entwicklung entsprechend das richtige Essen bekommt. Die Leitlinien basieren bzgl. des Speisen- und Getränkeangebotes auf dem DGE-Qualitätsstandard für Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder. Dieser gibt Empfehlungen für eine vollwertige Mittagsverpflegung für die verschiedenen Altersstufen.
zwei Kinder mit Suppenteller

Foto: Getty Images

Wertschätzung
Mahlzeiten sind für Kinder bedeutsame Bildungs- und Lernsituationen. Wer sich seines erweiterten Auftrags und Spielraums bewusst ist, gestaltet mehr als nur den Speiseplan: Attraktives und vorbildliches Kitaessen überzeugt und schafft Wertschätzung für eine gesunde, regionale und nachhaltige Verpflegung. Ein Verpflegungsleitbild bringt die eigene Philosophie einer gesunden Verpflegung zum Ausdruck. Die Mahlzeiten leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans. Wird die Kitaverpflegung eng mit pädagogischen Angeboten verknüpft, wird die Mittagsmahlzeit zur Bildungssituation.


Karotten am Bund

Foto: CMMeissner

Nachhaltigkeit
Von einer nachhaltigen Landwirtschaft profitieren alle: Klima, Böden, Gewässer, Pflanzen, Tiere und Menschen. Nachhaltige Verpflegung stärkt die heimische Ernährungs- und Landwirtschaft. Sie schließt die Aspekte regional, saisonal, ökologisch, Fairtrade und Tierwohl ein. Vor allem bei saisonal produziertem Obst und Gemüse und unverarbeiteten Produkten gibt es gute Gründe, Lebensmittel aus der Region zu beziehen: Sie reichen vom Genussfaktor saisonaler, erntefrischer, voll ausgereifter Lebensmittel bis zur Stärkung der heimischen Wirtschaft. Im Sinne dieser Leitlinien gilt grundsätzlich Bayern als Bezugsgröße. In jede Kitaküche gehören auch Bio-Lebensmittel, idealerweise aus der Region.


Aufschreiben einer Notiz

Foto: Thinkstock

Ökonomie
Für die Akzeptanz der Kitaverpflegung ist es unerlässlich, dass Preis und Qualitätsansprüche im Einklang stehen und dass die Kostenstrukturen bekannt sind. Qualität und Wirtschaftlichkeit sind zwei Seiten einer Medaille und gehören auch in der Kitaverpflegung zusammen. Es muss allerdings auch allen Beteiligten klar sein, dass Qualität ihren Preis hat. Wer hochwertige Lebensmittel einkauft und diese sorgfältig zubereitet, kann dies nicht zu Billigpreisen tun.

Praktische Orientierungshilfen für die Umsetzung

Wer Ja zu den Leitgedanken sagt, will diese auch im Kitaalltag umsetzen. Wir haben fünf Bereiche definiert, in denen Träger, Kitaleitungen, pädagogisches und hauswirtschaftliches Personal sowie Speisenanbieter maßgebliche Entscheidungen treffen, die die Qualität, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit der Kitaverpflegung beeinflussen.
Rahmenbedingungen
Im Kontext der Ganztagsbetreuung nimmt die Verpflegung in Kitas einen hohen Stellenwert ein und ist gleichzeitig Qualitätsmerkmal. Die Verpflegungssituation kann genutzt werden, um Gesundheitsbildung und Prävention lebensnah zu vermitteln. Dazu ist es wichtig, dass der Speiseraum und die Mittagszeit an die Bedürfnisse der Kinder angepasst sind. Durch eine Verankerung der Verpflegung in der pädagogischen Konzeption wird Ernährung auch schon für die Kleinsten erlebbar.
Eine hohe hauswirtschaftliche Kompetenz sorgt dafür, dass den Kindern eine Verpflegung von hoher Qualität und mit der entsprechenden Hygiene zukommt.
Speisenangebot
In der Kitaverpflegung gilt es, täglich unter Beweis zu stellen, dass „gesund“ und „schmackhaft“ nicht im Widerspruch stehen. Mit einem ausgewogenen, vielseitigen und vollwertigen Angebot kommen Kinder fit durch den Kitatag. Neben Speisenplanung und Lebensmittelauswahl entscheidet die Zubereitung über den Gesundheitswert des Kitaessens. Schonende Zubereitungsmethoden erhalten Nährstoffe, Farbe und Geschmack. Dabei muss die Entwicklung der Kinder immer mit berücksichtigt werden und deren Appetit angeregt werden.

Lebensmittelqualität
Ziel einer nachhaltigen Kitaverpflegung muss es sein, die eingesetzten Bio-Produkte möglichst aus der Region und umgekehrt auch regionale Lebensmittel möglichst in Bio- Qualität zu beziehen. Dabei gilt ein geldwerter Anteil an regionalen Bio-Lebensmitteln von einem Viertel des regionalen Einkaufsvolumens als gut machbar. Der Einsatz von Bio-Produkten aus der Region erfordert Professionalität, Flexibilität und gute Kommunikation. Es empfiehlt sich die Verwendung von Grundprodukten. Dies bedingt eine höhere handwerkliche Eigenleistung. Freiräume dafür schaffen optimierte Arbeitsabläufe.
Kostentransparenz
Die Entscheidungsträger in der Kitaverpflegung sind gefordert, das Spannungsfeld zwischen Qualitätsanforderungen und Preis so zu gestalten, dass für alle eine gute Lösung gefunden wird. Kitaverpflegung muss für Eltern bezahlbar und für den Anbieter wirtschaftlich machbar sein. Die Kitaverpflegung in Bayern ist unterschiedlich organisiert – von der Eigenbewirtschaftung bis hin zu überregional agierenden Cateringunternehmen. Abhängig von der Organisationsform und dem Verpflegungssystem fallen die Kosten in unterschiedlicher Höhe an verschiedenen Stellen an. Jede Verpflegungslösung erfordert eine individuelle Kostenkalkulation.

Weiterführende Informationen

Kommunikation
Kitaverpflegung ist eine Querschnittsaufgabe. Sie gelingt, wenn alle Beteiligten gut informiert sind, wenn es klare Kommunikationsstrukturen gibt und das gemeinsame Ziel definiert ist. Eine gute Vernetzung der an der Kitaverpflegung beteiligten Personen kann Ärger und Missverständnisse vermeiden. Auch sollen schon die Kleinsten über ihre Verpflegung informiert und daran beteiligt werden.