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Kongress
Gute Noten für die Schulverpflegung? - Ansatzpunkte für die Praxis

Titelbild Schulverpflegung

Experten und Praktiker diskutierten am 21. Mai 2015 in Kulmbach

Bayerns Ernährungsminister Helmut Brunner setzt sich für eine gesunde, schmackhafte sowie akzeptierte Schulverpflegung ein. „Schulverpflegung ist eine Querschnittsaufgabe, bei der es um mehr geht als die Qualität der Speisen. Gefragt ist auch das erfolgreiche Zusammenwirken von Fachkompetenz, Zufriedenheit aller Beteiligten und Wirtschaftlichkeit“, so Brunner bei der Eröffnung des Schulverpflegungskongresses am 21. Mai 2015 in Kulmbach. Genau dieser Herausforderung widmete sich der Kongress „Gute Noten für die Schulverpflegung?“, der von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern am Kompetenzzentrum für Ernährung veranstaltet wurde. Experten aus Wissenschaft und Praxis gingen der Frage nach: Wie lässt sich eine gesundheitsförderliche, schmackhafte, akzeptierte und zugleich wirtschaftliche Schulverpflegung realisieren?

Familiärer Wandel und institutionelle Verantwortung

Schulische Ganztagsangebote nehmen zu, Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule und ein gemeinsames Familienessen am Mittag ist kaum noch zu realisieren. Schulverpflegung kommt damit eine bedeutende Rolle zu. Ein ausgewogenes Mittagessen fördert nicht nur die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit im Schulalltag, sondern trägt auch zu einer gesunden Lebenswelt bei. Im Schulkonzept integriert, fördert es die Lebens- und Alltagskompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Bereits jetzt werden pro Schultag ca. 250.000 Mittagsessen an Bayerns Schulen ausgegeben. Kinder und Jugendliche schätzen ein gutes Mittagessen und dennoch stehen sie der Mittagsmahlzeit in der Schule skeptisch gegenüber – es schmeckt eben nicht wie bei Oma.

Qualitative Anforderungen an die Schulverpflegung

Wie Schulverpflegung im Idealfall aussehen soll, fasst der Qualitätsstandard für die Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. zusammen. Vergleicht man die empfohlene Lebensmittelauswahl mit dem Status Quo an bayerischen Schulen, zeigt sich: In den letzten Jahren hat sich Vieles verbessert, dennoch werden die Kriterien bei der Mittags- wie auch bei der Pausenverpflegung sehr unterschiedlich erfüllt. Jede vierte Schule hat noch ein gutes Stück Weg hin zu einem ausgewogenen Angebot vor sich. Einen Überblick über den aktuellen Stand der Schulverpflegung in Bayern gab Susanne Dobelke, Leiterin der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern. Konkret werden Seefisch, Hülsenfrüchte, Gemüse und Rohkost gemäß den Empfehlungen zu selten angeboten.

Kommunikation ist das A und O

Mit Beispielen aus seiner eigenen beruflichen Praxis zeigte Michael Thun, esscooltur® Bremen, auf, welche verschiedenen Interessen und Einstellungen im Rahmen der Schulverpflegung aufeinandertreffen. Thun resümierte, dass sowohl der Verpflegungsbereich, die Verwaltung, wie auch die Schule ihren Beitrag zu einer gelingenden Schulverpflegung leisten müssen. Trilaterale Vereinbarungen müssen deshalb zwischen Träger, Schule und Verpflegungsdienstleister geschlossen werden.

Akzeptanz als ein Schlüssel zum Erfolg

Grundvoraussetzung für ein gelingendes Verpflegungsangebot ist dessen Akzeptanz. Kinder sollen gerne in der schuleigenen Mensa essen – hier sind sich alle Experten und Praktiker einig. Kinder und Jugendliche erwarten in der Schule ein Essen, das gut schmeckt, sättigt und Spaß macht. Wie können Kinder gleichzeitig motiviert werden ausgewogene und gesunde Mahlzeiten mit Obst und Gemüse zu essen? Dr. Carmen Keller, ETH Zürich, beleuchtete auf dem Kongress den aktuellen Trend Nudging. Nudging – eine Veränderung der Umgebung, ohne die Entscheidungsfreiheit einzuschränken – wird auch in der Gemeinschaftsverpflegung immer öfter diskutiert. Das Lebensmittelangebot, die Portionsgröße und auch die Essumgebung kann die Essensauswahl von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Kinder greifen zum Beispiel eher zu Vollkornbrötchen, wenn sie im Gegensatz zu normalen Brötchen lustig geformt sind.

Etablierung im Schulkonzept

Alltags- und Lebenskompetenzen können über Themen wie Essen und Trinken in den Blick genommen werden. Schulessen – vom Acker auf den Teller – bietet vielfältige Möglichkeiten, das Thema Ernährung im pädagogischen Schulkonzept zu verankern. Beispiele guter Praxis haben in Kulmbach gezeigt, wie Schüler bei der Gestaltung und Durchführung von Angeboten eingebunden werden können – sei es in der Gestaltung des Essensraums, der Pausenverpflegung oder sogar im schuleigenen Garten. Essen ist mehr! – Mittagszeit bietet Zeit für die Pflege von Freundschaften, Erholung und Ausgleich.
Am Ende des Kongresses „Gute Noten für die Schulverpflegung? – Ansatzpunkte für die Praxis“ steht ein Plädoyer für mehr Partizipation und Wertschätzung in der Schulverpflegung! Mit ihrem Abschlussvortrag stellt Prof. Dr. Ungerer-Röhrich, Universität Bayreuth, heraus: Alle Beteiligten, auch die Schüler, müssen über den gesamten Prozess hinweg eingebunden und mitgenommen werden.